Zehn schlagende Argumente für Tempo 30

Zehn schlagende Argumente für Tempo 30

Der Richtplan «Verkehr» sieht mehr Tempo-30-Zonen für die Stadt Zürich vor –und das ist gut so.

Wir listen zehn Argumente für Tempo 30 auf. Damit man bei den beiden städtischen Abstimmungsvorlagen vom 28. November richtig gut mitreden kann. 

1. Tempo 30 reduziert Lärm

Die sinkende Lärmbelastung ist das stärkste Argument für Tempo 30. Gegner der Vorlage erzählen deshalb gerne, dass der Lärm dank Elektroautos künftig kein Problem mehr sei. Allerdings sind E-Autos nur bei tiefen Geschwindigkeiten wirklich leiser. Über 35 Kilometer pro Stunde dominiert das Reifen-Fahrbahn-Geräusch, unabhängig von der Antriebsart. Das heisst, der Fakt, dass künftig mehr Elektroautos auf den Strassen unterwegs sein werden, ist eigentlich ein Argument für Tempo 30.

2. Tempo 30 ist das beste Mittel gegen Lärm

Die Freunde des Automobils rühmen Flüsterbeläge, Schallschutzwände oder leise Pneus. Flüsterbeläge sind teurer, da sie bloss eine halb so grosse Lebensdauer haben als konventionelle Beläge. Höhere Kosten und mehr Baustellen will aber niemand wirklich. Schallschutzwände sind ebenfalls kostenintensiv, im engen Stadtraum oft nicht realistisch und eigentlich bloss Symptombekämpfung. Das Argument mit den leisen Pneus hingegen ist nicht schlecht. Dank lärmarmen Pneus liessen sich die Geräuschemissionen von Personenwagen tatsächlich halbieren. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Autolobby die Einführung entsprechender Gesetze massiv bekämpfen würde. Denn der allgemeine Trend geht bekanntlich hin zu immer schwereren Fahrzeugen, ausgerüstet mit immer breiteren Reifen. Darum ist und bleibt Tempo 30 die beste Methode, um Lärm zu reduzieren.

3. Tempo 30 ist gut für die Gesundheit

Lärm stresst und macht krank. Das kann man sowohl bei der World Health Organization (WHO) wie auch beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) nachlesen: Bei jedem störenden Geräusch gerät der menschliche Körper in Alarmbereitschaft. Er schüttet Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, und die Atemfrequenz nimmt zu. Und man gewöhnt sich auch nicht daran: Selbst wenn man den Lärm im Schlaf gar nicht wirklich wahrnimmt, die körperlichen Reaktionen bleiben dieselben. Welche gesundheitlichen Entlastungen Tempo 30 bringt, wird übrigens vom Wissenschaftsmagazin Higgs sehr gut aufgezeigt.

4. Tempo 30 erhöht die Sicherheit massiv

Fast zwei Drittel aller schweren Verkehrsunfälle in der Schweiz passieren innerorts. Allein auf Tempo-50-Strecken werden jährlich rund 1900 Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer schwer verletzt, 80 kommen ums Leben. Die meisten dieser Opfer waren zu Fuss, mit dem Töff oder dem Velo unterwegs. Fakt ist: je höher die Geschwindigkeit, desto höher das Unfallrisiko und desto gravierender die Unfallfolgen. Der Einfluss der Geschwindigkeit ist dabei nicht linear, sondern überproportional gross. So ist die Sterbewahrscheinlichkeit für Zufussgehende bei einer Kollision mit einem Fahrzeug, das 50 Kilometer pro Stunde schnell unterwegs ist, um das Sechsfache höher als bei 30 Kilometer pro Stunde. Kein Wunder, spricht sich auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung klar für Tempo 30 innerorts aus.

5. Tempo 30 führt nicht zu mehr Stau

Tempo 30 verringert die Kapazität der Strassen nicht unbedingt. Das kann man etwa beim Umweltbundesamt der Autonation Deutschland erfahren. Dort heisst es: «Eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat in den meisten Fällen keinen nennenswerten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Hauptverkehrsstrasse. Andere Faktoren wie die Qualität der Lichtsignalprogramme, die Anzahl querender Fussgänger oder Bushalte, Parkvorgänge oder Halten in zweiter Reihe haben in der Regel einen grösseren Einfluss. Und wer nun denkt, dass sei nur in Deutschland so, darf die Website der Schweizerischen Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten besuchen und einen kurzen Blick auf Seite 4 des Merkblatts «Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen» werfen.

 

Tempo 30 in Zürich

6. Tempo 30 verlängert die Fahrzeit kaum

Ein Gutachten der Stadt Zürich zu Tempo 30 vom Wipkingerplatz bis zum Bucheggtunnel und vom Bucheggtunnel bis zur Schaffhauserstrasse zeigt: Die Fahrzeit für Autos würde sich über die ganze Strecke um höchstens 28 Sekunden verlängern. Wer diesem Papier keinen Glauben schenkt, lässt sich vielleicht mit Zahlen aus Deutschland überzeugen: Dort wurden bei Messfahrten Reisezeitverluste an Tempo-30-Strecken von 0 bis 4 Sekunden je 100 Meter festgestellt. Das Umweltbundesamt schreibt: «Dies ist auch bei längeren Abschnitten oder einer Aneinanderreihung von mehreren Regelungen volkswirtschaftlich kaum relevant.» Wichtiger sei die Homogenität des Verkehrsflusses. Und dieser könne Messungen zufolge bei Tempo 30 sogar besser sein als bei Tempo 50.

7. Tempo 30 macht den Verkehr flüssiger

Mit 50 fast gleich schnell unterwegs sein wie mit 30? Das klingt nur auf den ersten Blick paradox. Der quasi inexistente Tempoverlust erklärt sich dadurch, dass Brems- und Beschleunigungsvorgänge bei Tempo 30 abnehmen. Das kann man auf der Webseite des Bafu nachlesen.

8. Tempo 30 ist kein Kostentreiber für den ÖV

Steigende Kosten sind das Killerargument der Gegner von Tempo 30.  Dieses Argument basiert auf der Annahme, dass Busse und Trams bei Tempo 30 länger brauchen, um von Endhaltestelle bis Endhaltestelle zu kommen. Über eine längere Strecke und über den Tag gerechnet können aus Sekunden tatsächlich Minuten werden. In diesem Fall müssten die VBZ auf dieser oder jener Strecke vielleicht tatsächlich einen weiteren Bus und weiteres Personal einsetzen, um den Takt einhalten zu können. Die Gegner von Tempo 30 sprechen von 20 Millionen Franken Mehrkosten. Aber so genau weiss das niemand, weil der Verkehr dank Tempo 30 eben auch flüssiger wird und der ÖV so weniger im Stau stecken bleibt. Zudem wird bei diesem Argument ausgeblendet, dass der motorisierte Individualverkehr als Hindernis und Verspätungsursache der grösste Kostentreiber für den ÖV ist. Er beschert den VBZ jährliche Mehrkosten von total 160 Millionen Franken, die diese übrigens anstandslos bezahlen.

9. Tempo 30 hat eine grosse Akzeptanz

52 Prozent der Bevölkerung unterstützen die Einführung von Tempo 30 innerorts auf allen Strassen mit Ausnahme der Hauptverkehrsachsen. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Befragt wurde dabei eine repräsentative Stichprobe der Schweizer Wohnbevölkerung, also auch Menschen in ländlichen Gebieten. Würde man dieselbe Umfrage in der Stadt Zürich durchführen, wären wahrscheinlich noch mehr Menschen für die Einführung von Tempo 30. Denn nur ein Drittel der Stadtzürcher Wohnbevölkerung besitzt ein Auto.

10. Tempo 30 ist gut fürs Velo

Last but not least: Tempo 30 ist gut fürs Velo. Velofahrende fühlen sich dank geringerer Tempodifferenzen deutlich sicherer. Ihr Unfallrisiko vermindert sich um mehr als das Doppelte. Geringere Tempounterschiede und mehr Zeit für die Kommunikation bewirken eine bessere Koexistenz zwischen Motorisierten und Nichtmotorisierten. Das System wird fehlertoleranter und nimmt Rücksicht auf eingeschränkte Möglichkeiten der älteren Verkehrsteilnehmenden. All das kann man unter anderem auf der Website des VCS nachlesen.

About The Author

Andrea Freiermuth

Leiterin Kommunikation & Events bei Pro Velo Kanton Zürich

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