Der Stauffacherquai ist saniert, aber nicht fürs Velo

Der Stauffacherquai ist saniert, aber nicht fürs Velo

Der Stauffacherquai ist saniert, und wir sind konsterniert.

Vor drei Jahren haben wir am Stauffacherquai Einsprache erhoben, liessen uns aber zum Rückzug überreden. Man hat uns einen Zweirichtungsradweg in Aussicht gestellt – bis es so weit ist, kann es jedoch noch Jahre dauern.   

Frischer Asphalt, frische Farbe, neue Verkehrsführung – aber weiterhin eine Blechlawine. So sieht es aktuell beim Tagi-Gebäude entlang der Sihl kurz vor der Helvti-Bar aus. Zwar müssen Velofahrende auf dem Stauffacherquai nicht mehr direkt zwischen den zwei Autobahn-Auslauf-Spuren um ihr Leben bangen, die Verschiebung des Radstreifens an den Rand und direkt neben die Parkplätze ist jedoch nur ein kleiner Sicherheitsgewinn. Hätte man sich hier an den Abbau der Parkplätze gewagt, wäre viel mehr möglich gewesen. Die Verteilung des Strassenraums gibt zu denken: 11 Meter für Autos, 5 Meter für Füsse, 2,5 Meter für Bäume und 1,25 Meter fürs Velo. 

Aber richtig schlimm wirds vorne am Knoten: Wer mit dem Velo geradeaus Richtung HB will, muss sich zwischen den wahlweise gasgebenden oder stehenden Autos nach links zum Radstreifen durchzirkeln und kommt mit dem einbiegenden Verkehr aus der Werdstrasse in Konflikt – sofern die Fahrzeuge nicht grad den Velostreifen in Mittellage blockieren. 

Stauffacherquai mit dem Velo

Die Verteilung des Strassenraums gibt zu denken: 11 Meter für Autos, 5 Meter für Füsse, 2,5 Meter für Bäume und 1,25 Meter fürs Velo.

Fotograf: Andrea Freiermuth

Auf das Folgeprojekt vertröstet

Leider haben wir es kommen sehen: Pro Velo hatte gegen die Planauflage Einsprache erhoben, einen abgetrennten Radweg entlang der Sihl gefordert und sich für eine gesicherte Querung und Zufahrt zum Knoten ausgesprochen. Mit der Aufhebung der Parkplätze und einer optimierten Lichtsignalsteuerung wäre dies weitgehend umsetzbar. In mehrfachen Verhandlungen auf allen Ebenen – vom Projektleiter bis zum Stadtrat – wurden wir jedoch zum Rückzug überredet. Das Argument: Die Wasserleitungen könnten auf keinen Fall länger auf die Sanierung warten!

Man hat uns auf ein Folgeprojekt vertröstet, in dem der Stauffacherquai künftig fürs Velo in beide Richtungen befahrbar werden soll. Bis zu dieser Umsetzung kanns aber noch Jahre dauern – und bis dann sind Velofahrende nach wie vor auf knapp 1,25 Metern Breite der Blechlawine ausgesetzt und an der Kreuzung ihrem Mut und sich selber überlassen. Heute, drei Jahre nach der Einsprache, würden wir uns wohl nicht mehr auf einen solchen Deal einlassen – und das Tiefbauamt hoffentlich auch keine solche Projekte mehr planen, in der die Leistungsfähigkeit des motorisierten Verkehrs über die Sicherheit der Velofahrenden gestellt wird.

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Yvonne Ehrensberger

Geschäftsleiterin Pro Velo Kanton Zürich

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