Warum braucht es Pro Velo überhaupt?

Warum braucht es Pro Velo überhaupt?

Wie die Veloinfrastruktur auf die Strasse kommt – oder eben auch nicht.

Warum braucht es Pro Velo überhaupt? Warum geht es für das Velo nicht einfach so endlich vorwärts? Warum setzen Stadt und Kanton Strassenbauprojekte nicht velofreundlich und zeitnah um?

Kürzlich erhielten wir eine Mail von Pro-Velo-Mitglied Markus Weiger mit einer fundamental wichtigen Frage. In ihrer abgekürzten Form lautet sie: «Warum braucht es Pro Velo überhaupt?» Oder in den Worten von Markus Weiger: «Im Velojournal lese ich regelmässig, wie wichtig der Einsatz von Pro Velo ist, damit die Strassenbauprojekte in Zürich gemäss den Vorgaben, Gesetzen und Masterplänen umgesetzt werden.» Es erschliesse sich für ihn nicht, warum dies überhaupt nötig sei. «Ist es nicht Aufgabe der Behörden, genau dies zu tun? Kennen die verantwortlichen Mitarbeitenden die Inhalte nicht oder ignorieren sie diese absichtlich?» Letzteres fände er besonders stossend, da sich die Regierung der Stadt Zürich ja erklärtermassen velofreundlich definiere und man sie genau deshalb gewählt habe.

Warum braucht es Pro Velo überhaupt?

Warum kriegen die das einfach nicht hin? Das fragen wir uns auf der Geschäftsstelle von Pro Velo Kanton Zürich auch immer mal wieder. Trotzdem haben wir versucht, eine Erklärung zu finden – in vier Ansätzen.

Warum braucht es Pro Velo Kanton Zürich überhaupt. Hardbrücke

Veloinfrastruktur in Zürich: Diese wichtige Veloverbindung über die Bahngeleise führt direkt durch die Bushaltestelle auf der Hardbrücke. 

Fehlender Mut

Veloförderung ist Velopolitik. Das heisst, sie muss stets verhandelt werden – und das bei jedem Strassenbauprojekt von Neuem. Gleichzeitig ist die Fläche begrenzt und der Mut für grosse Umgestaltungen nicht vorhanden. Denn wer den Platz zugunsten des Velos umverteilt, macht sich Feinde. Ein Beispiel für fehlenden Mut ist etwa der Mythenquai.

Das Velo hat nicht erste Priorität

Die Verwaltung versucht stets, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. So orientieren sich die Planerinnen und Planer nicht nur am Masterplan Velo, sondern etwa auch am Anti-Stau-Artikel, den Bedürfnissen der Zufussgehenden oder an Gestaltungsprinzipien für schöne Stadträume. Oft müssen sie abwägen zwischen: Mehr Velo oder mehr Grün (Badenerstrasse)? Mehr Kapazität oder mehr Sicherheit (Bellerivestrasse)? Mehr Parkplätze oder mehr Veloinfrastruktur (Velovorzugsroute Höngg)? Am Ende findet hier IMMER eine Form der Priorisierung statt, und das Velo steht leider oft immer noch hinten an. Wobei man sagen muss, dass die Stadt Zürich dem Velo in jüngster Zeit mehr Raum gewähren will, aber oft vom Kanton ausgebremst wird. 

Veloförderung im Kanton Zürich: Koordinationsstelle für den Veloverkehr.

Papier ist zahm: Vor allem, wenn es vom Kanton Zürich kommt. 

Papiertiger sind zahm

Schöne Papiere wie etwa der Masterplan, die Velostrategie oder der Text zur Veloinitiative sind wichtig und richtig. Aber sind sie mal geschrieben und abgesegnet, heisst das noch lange nicht, dass die Ideen darin auch wirklich umgesetzt werden. So heisst es seit der Annahme der Velorouten-Initiative in der Gemeindeordnung, dass die Velorouten «grundsätzlich frei von motorisiertem Individualverkehr» sein sollten. Doch nach wie vor steht die Einschränkung des motorisierten Individualverkehrs praktisch nicht zur Debatte.

Das Velo wird nicht ernst genommen

Normen wie etwa die Breite von Velo-streifen oder die Weiterführung von Velospuren werden nach wie vor nicht mit gleichem Mass umgesetzt, wie dies für vergleichbare  unangefochtene Standards beim motorisierten Verkehr der Fall ist. Unsere Städte werden seit Jahrzehnten für das Auto gebaut. Von dieser Maxime abzukommen, scheint für viele Menschen schwer zu sein – trotz Klimakrise, Platzproblemen und Abstimmungsresultaten. Vielleicht weil manche immer noch das Gefühl haben, das Velo sei ein reines Spassmobil, dabei ist es ein superwichtiges Verkehrsmittel in der Stadt der Zukunft.

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Andrea Freiermuth

Leiterin Kommunikation & Events bei Pro Velo Kanton Zürich

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