Pop-up-Velowege von Genf über Zürich bis Berlin

Pop-up-Velowege von Genf über Zürich bis Berlin

Pop-up-Velowege während Corona: Wie Genf und Berlin davon profitierten – und warum in Zürich nichts passierte.

Was braucht es, damit es mit der Veloinfrastruktur endlich vorwärtsgeht? Wir diskutierten diese Frage auf einem Podium mit einem Veloaktivisten aus Berlin und einer Doktorandin aus Lausanne. 

Der Unterschied zwischen den Städten Zürich, Genf und Berlin drückt sich in Kilometern aus: Nach dem ersten Corona-Lockdown wurden in Genf 7,5 und in Berlin 27 Kilometer Pop-up-Velowege geschaffen, von denen die meisten auch heute noch bestehen. In der Stadt an der Limmat gibt es, trotz 20 Demos sowie einer dringlichen Anfrage im Parlament und etlichen schriftlichen Aufforderungen von Pro Velo, bis heute keinen einzigen Meter.

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Das wollte Pete Mijnssen vom Velojournal gemeinsam mit Doktorandin Hannah Widmer von der Uni Lausanne, Veloaktivist  Florian Keiper von Changing Cities Berlin und  Yvonne Ehrensberger von Pro Velo Zürich auf einem Podium herausfinden.

Die einfachste Erklärung kommt augenzwinkernd aus dem Westschweizer Forschungskreis von Hannah Widmer: «Es ist klar, dass das in der Deutschschweiz nicht funktioniert: Da will man immer alles perfekt machen!», gibt die Forscherin am Observatoire universitaire du vélo et des mobilités actives in Lausanne die Reaktion aus ihrem Umfeld wieder.

Pop-up-Veloweg in Berlin

Juckpulver für die Behörden

Soziologin Widmer listet drei Punkte auf, die es braucht, um den Röstigraben in Sachen Pop-up-Velowege zu überwinden: Mut zur Unkonventionalität, eine gewisse Testmentalität sowie Political Champions – also Politikerinnen oder Politiker, die sich der Sache annehmen. «Ist diese Basis vorhanden, brauchen  Interessenverbände und Aktivistinnen und Aktivisten bloss noch etwas Juckpulver in Form von Aktionen zu streuen», so Forscherin Widmer.

Reizaktionen gab es mit den Demos der Velomänsche Züri zuhauf: «Bei uns fehlten die politischen Leader für Pop-up-Velowege – bis auf Simone Brander, die man mit einer Strafanzeige ausgebremst hat», erklärt Pro-Velo-Geschäftsleiterin Yvonne Ehrensberger. Zudem hätten die Behörden die Forderungen stets mit der Begründung gekontert, man wolle sich lieber auf langfristige Massnahmen konzentrieren.

Auf die Frage, was er den Menschen in Zürich gegen den Stillstand empfehlen würde, meint der Berliner Veloaktivist Keiper: «Mehr Aktivismus ist nie schlecht» – und erntet dafür tosenden Applaus aus dem Publikum.

About The Author

Andrea Freiermuth

Leiterin Kommunikation & Events bei Pro Velo Kanton Zürich

Leave a reply

Your email address will not be published.

Pin It on Pinterest

Share This