
Macht die Hitze das Velo unattraktiv?

Cycling Science – Wissenschaft für Velofahrende
Als unser Autor diesen Text schrieb, stand die abschliessende Bilanz des Hitzesommers 2026 noch aus. Doch schon damals war klar, dass er sich in die heissesten Sommer der Messgeschichte einreihen wird.
Welchen Einfluss die Hitze auf den Veloverkehr hat, darüber ist bisher erschreckend wenig bekannt. Der Einfluss von Regen und Kälte wurde gründlich untersucht – die Hitze blieb ein blinder Fleck. Eine der wenigen Studien wurde letztes Jahr veröffentlicht. Die Hochschule Karlsruhe und das Fraunhofer-Institut befragten 1294 regelmässig Velofahrende, wie sich Hitze auf ihr Fahrverhalten auswirkt.
40 Prozent erklärten, ab 32 Grad würden sie das Velo eher stehen lassen. Mehr als die Hälfte davon gab an, stattdessen ein Auto zu nutzen. Ein gutes Drittel der regelmässig Velofahrenden sagte, dass selbst grosse Hitze sie nicht dazu bringe, aufs Velo zu verzichten.
«Der Einfluss der Witterung ist vor allem am Wochenende und an Feiertagen feststellbar – wenn Velofahren eher Vergnügen als Notwendigkeit ist.»
Doch mindestens für Zürcher Velofahrerinnen und Velofahrer scheint dieser Befund nicht zu stimmen. In der Stadt sind an diversen Stellen Induktionsschlaufen in den Boden eingelassen, die Tag für Tag zählen, wie viele Velos darüberrollen. Ich verglich die Daten von acht Zählstellen über einen Zeitraum von vier Jahren: Zürcher Velofahrende sind in diesem Hitzesommer nicht weniger Velo gefahren als in anderen Jahren.
Im Gegenteil: Vom Sommeranfang am 1. Juni bis zum 6. August 2026 registrierten die Zählstellen knapp 1,25 Millionen Velofahrten – über acht Prozent mehr als im selben Zeitraum in den drei Jahren zuvor.
Das Velo im Alltag scheint hitzeresilient
Und doch lässt sich der Einfluss der Hitze in den Daten erkennen. Am 28. Juni wurden an der Messstation Zürich-Fluntern 36,2 Grad gemessen – der höchste Wert seit Messbeginn. An diesem Sonntag registrierten die Zählstellen tatsächlich weniger Velos als an anderen, vergleichbaren Sonntagen.
Dieser 28. Juni blieb ein Einzelfall. Während der gesamten zweiten Hitzeperiode, die vom 18. bis zum 29. Juni dauerte, fuhren sieben Prozent mehr Velos über die Zählstellen als in den Vergleichszeiträumen der drei Vorjahre.
Das Velo scheint also ein hitzeresilientes Verkehrsmittel zu sein. Und der Einbruch am 28. Juni deutet auf einen Effekt hin, den wir bereits bei Regen und Kälte kennen: Der Einfluss der Witterung ist vor allem am Wochenende und an Feiertagen feststellbar – wenn Velofahren eher Vergnügen als Notwendigkeit ist. Doch wer das Velo im Alltag für den Weg zur Arbeit nutzt, tut das bei Nieselregen im November ebenso wie bei Bruthitze im Juli.












