Mit dem Cargo die Welt entdecken

Mit dem Cargo die Welt entdecken

Veloliebe - wo das Velo einen ganz besonderen Platz hat.

Marahs Tochter Ronja hat eine kognitive Behinderung. Darum ist das Cargobike für die beiden weit mehr als ein Fahrzeug. Im Text erklärt Marah, weshalb dieses Velo so wichtig für die beiden ist.

Mein Cargobike ist für mich viel mehr als einfach ein Verkehrsmittel. Es macht unser Leben einfacher, freier und inklusiver. Vor allem vom Frühling bis Ende Herbst bin ich fast täglich mit meiner Tochter Ronja* unterwegs. 

Ronja hat eine kognitive Behinderung. Darum ist der öffentliche Verkehr für sie oft mit Stress und zu vielen Reizen verbunden. Im Cargobike hingegen fühlt sie sich sicher und entspannt. Während sie zu Hause zuweilen starke emotionale Überlastungsreaktionen hat, gibt ihr das Velo Schutz, Rückzug und Ruhe – und gleichzeitig die Möglichkeit, die Welt zu erleben, aber aus einer gewissen Distanz.

Ohne das Velo wäre ich ziemlich aufgeschmissen. Wir wären viel isolierter und könnten kaum so viele Ausflüge machen. Oft sind wir am Wochenende den ganzen Tag unterwegs: Wir besuchen die Pferde in der Epiklinik, fahren der Limmat oder dem See entlang, halten für einen Kaffee oder ein Eis an oder gehen in die Badi. Das Schöne ist: Wir sind flexibel, mobil und können jederzeit wieder nach Hause. Unser Cargobike ist eigentlich wie eine kleine fahrende Freizeitwohnung – wie Schnecken haben wir immer alles dabei. 

Lieber Cargo als Schulbus

Nicht nur in der Freizeit, auch für den Schulweg ist das Velo oft die bessere Lösung. Darum bringe ich Ronja so oft wie möglich selbst mit dem Velo zur Schule. Ich frage mich manchmal:
Warum gibt es eigentlich keine Schulvelokuriere für Kinder mit Behinderung? Zwei Kinder in einem Cargobike in die Schule zu fahren, klingt vielleicht ungewöhnlich, aber eigentlich ist das weder absurd noch unrealistisch. Allenfalls wäre es sogar günstiger, ökologischer und vor allem viel angenehmer für viele Kinder.

Was uns allerdings nach wie vor unglücklich macht, ist der viele Autoverkehr in der Stadt. Manchmal führt Ronja einen regelrechten Sitzstreik durch. Sie setzt sich aufs Trottoir und schreit die Autos an. Und ehrlich gesagt: Ich verstehe sie. Wir werden ständig abgedrängt, Lastwagen und Lieferwagen parkieren auf den Velospuren, und überall fahren riesige Autos mit nur einem Passagier durch die Stadt. 

Heikle Momente im Autoverkehr

Wir erleben oft brenzlige Situationen. Ich weiss, dass viele Velofahrende auch rücksichtslos sind, aber ein Velo mit einem Kind vorne drin: Wie ignorant müssen Menschen sein, um da Unfälle zu riskieren, nur damit sie vor uns am Lichtsignal sind? Und ja, gleichzeitig fehlt uns wegen der vielen Autos auch Platz zum Spielen, für Begegnungen oder sichere Velowege. Auch in unserer Wohnsiedlung wird den Autos so viel Raum geschenkt, überall Parkplätze, überall Blech.

Dabei zeigt mir mein Alltag mit Ronja jeden Tag, wie viel lebenswerter Städte wären, wenn man sie mehr für Menschen und weniger für Autos bauen würde.

*Name geändert

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