
«Aufeinander Rücksicht nehmen»
Velofahrende werden bei der Sihlhölzlibrücke zum Schieben aufgefordert.
Zwei Jahre, 200 Meter Umweg mit zwei Lichtsignalen für täglich 2200 Velos. Ah, und ja: bitte Velo schieben und ganz viel Rücksicht nehmen! So kommt die Baustelle der Sihlhölzlibrücke aktuell daher.
Wo Velofahrende und Zufussgehende entlang der Sihlpromenade bisher die fünf Fahrspuren mit täglich 25 000 Autos ohne Wartezeit unterqueren konnten, ist jetzt Geduld angesagt.
Die Sihlpromenade ist beliebt – bei Erholungssuchenden ebenso wie bei Pendelnden zwischen Sihltal und Hauptbahnhof. Die SchweizMobil-Veloroute 84 und Mountainbikeroute 22 verlaufen hier der Sihl entlang, zudem ist eine Velovorzugsroute geplant. Die örtliche Zählstelle weist knapp 2200 Velos pro Tag auf. Nun wird die Sihlhölzlibrücke bis Mitte 2028 umfassend saniert, nicht zuletzt zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs. Die bisherige Mischfläche von 2,8 Metern wird auf je einen Velo- und einen Trottoirbereich mit insgesamt 6,6 Metern verbreitert. Das ist erfreulich und wird die Situation deutlich verbessern.

Zweiklassenverkehr?
Doch bis dahin müssen sich Fuss- und Veloverkehr zwischen Baustellenabschrankung und Autobahnzufahrt quetschen. Die Stadt weist mit «Bitte Rücksicht nehmen» auf die Engstelle hin und fordert dazu auf, das Velo zu schieben. Eine der drei Autospuren wurde aufgehoben, damit Fuss- und Veloverkehr überhaupt passieren können. Doch Abschrankungen und Baustelleninstallationen stehen auf den wertvollen Flächen der Menschen, die zu Fuss und auf dem Velo unterwegs sind. Man wird das Gefühl nicht los, hier Verkehrsteilnehmer:in zweiter Klasse zu sein – während die Autokolonnen weiterhin Richtung Autobahn vorbeirauschen.
Ob es denn anders ginge? Wenn konsequent vom Velo- und Fussverkehr her geplant würde? Wir hätten ein paar Ideen: eine temporäre überirdische Querung in der Wunschlinie statt eines U-Turns zweimal über die Brücke. Oder zumindest ein Zentimeterlein, damit die bestehende Breite erhalten bleibt und Velofahrende nicht zum «Schieben» aufgefordert werden – was ohnehin mehr Platz beansprucht als eine fahrende Person. Oder ganz wild: Bauprojekte besser koordinieren, damit die alternative Route über das Stauffacherquai bereits velofreundlich umgesetzt wäre.
Doch bis Zürich effektiv zur Velostadt umgebaut ist, müssen wir uns wohl noch in Geduld üben – und so einige ungünstige Baustellen in Kauf nehmen. «Bitte um Rücksicht.»










