Helmpflicht oder doch nicht?

Helmpflicht oder doch nicht?

Cycling Science – Wissenschaft für Velofahrende.

Hat sich unser Autor geirrt? Er muss zugeben: «Dass eine Helmpflicht der Gesundheit der Bevölkerung mehr schadet als sie nützt, lässt sich aus heutiger Sicht nicht beweisen.»

Felix Schindler schreibt über Mobilität und Stadtentwicklung, schmeisst die Hälfte des Haushalts und kümmertsich um seine Zwillinge.

Eine neue Studie stellt die bisherigen Argumente gegen eine Helmpflicht teilweise in Frage – die Debatte um eine Helpflicht ist neu entfacht.

Während das Autofahren immer sicherer wird, stagnieren die Zahlen von getöteten und verletzten Zufussgehenden, Velo- und E-Bike-Fahrenden seit Jahren auf hohem Niveau. In den letzten Monaten haben mehrere Nationalrätinnen und Nationalräte Massnahmen gefordert – und stellen auch eine Helmpflicht zur Diskussion.

Pro Velo wehrt sich stets gegen eine Helmpflicht; der Bundesrat hat bereits mehrere der erwähnten Vorstösse abgelehnt. Auch ich habe vor einigen Jahren einen insgesamt kritischen Artikel über das Thema geschrieben. Das Fazit: Ein Helm verringert zwar das Risiko von Kopfverletzungen – ein Obligatorium führt aber dazu, dass die Menschen weniger Velo fahren. Dadurch könnten die Gesundheitskosten so stark steigen, dass die Einsparungen zunichtegemacht werden.

Neue Studie stellt Rückgang in Frage

Eine im März 2026 veröffentlichte Studie stellt dieses Argument nun in Frage. Rune Elvik vom Institut für Verkehrsökonomie in Oslo führte eine Kosten-Nutzen-Analyse einer Helmpflicht in Norwegen durch und berechnete mehrere Szenarien. Wenn die Helmtragequote von heute 67 auf 80 Prozent stiege, dann müsste der Rückgang des Veloverkehrs unter sieben Prozent bleiben, damit der Nutzen höher bleibt als die Kosten. Wenn alle Velofahrenden einen Helm trügen, kippt die Gleichung erst bei einem Rückgang von über neun Prozent. Diese Zahlen sind mit vielen Unsicherheiten verbunden. Aber Elviks Studie ist robust und widerspricht früheren Studien, die das Nutzen-Kosten-Verhältnis wesentlich pessimistischer eingeschätzt haben.

In der Schweiz tragen 60 bis 70 Prozent der Velo- und E-Bike-Fahrenden einen Helm. Wie gross der Rückgang des Veloverkehrs durch eine Helmpflicht ausfallen würde, lässt sich nicht seriös abschätzen. Eine Meta-Analyse, die die Auswirkungen von Helmvorschriften auf das Verhalten der Velofahrenden untersuchte, zeigte: Es kann einen Rückgang geben – muss aber nicht.

Infrastruktur ist für Sicherheit entscheidend

Nun: Habe ich mich geirrt? Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Sicherheit von Velofahrenden zuallererst durch die Infrastruktur bestimmt wird. Eine Helmpflicht verhindert keinen Unfall und ist die falsche Antwort darauf, dass viel zu viele vulnerable Menschen im Verkehr getötet und schwer verletzt werden. Aber zähneknirschend muss ich zugeben: Dass eine Helmpflicht der Gesundheit der Bevölkerung mehr schadet als sie nützt, lässt sich aus heutiger Sicht nicht beweisen. Aus meiner Kritik an der Helmpflicht ist dieses Argument gestrichen.

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