
Zürcher Gemeinden verbessern sich

Die Zufriedenheit von Zürcher Velofahrenden ist gestiegen - trotzdem bleibt Handlungsbedarf.
Die Zürcher Städte erreichen beim Prix Velo im Schnitt die Note 4 – und liegen damit leicht über dem Schweizer Durchschnitt. Besonders Zürich und Thalwil konnten sich verbessern.
Mit dem Prix Velo Städte erhebt Pro Velo alle vier Jahre die Zufriedenheit der Velofahrenden mit Infrastruktur, Sicherheit und Verkehrspolitik in Schweizer Städten. Einen vertieften Blick auf die nationale Entwicklung bietet der Schwerpunkt im nationalen Magazinteil, während die folgenden Seiten die Resultate der Zürcher Gemeinden genauer betrachten. Berücksichtigt werden jene Gemeinden, die einen detaillierten Bericht zum Prix Velo angefordert und die Umfrage aktiv begleitet haben. Konkret sind das Zürich, Winterthur, Uster, Wetzikon, Bülach und Thalwil.
Zürcher Gemeinden haben sich verbessert
Die gute Nachricht zuerst: Die Zürcher Gemeinden haben sich gegenüber 2021 verbessert. Damals lag ihr gemeinsamer Notenschnitt noch bei 3,8. 2025 erreichen sie zusammen eine Gesamtnote von 4,0 – ein Plus von 0,2 Punkten. Damit schneiden die Zürcher Gemeinden im Schnitt leicht besser ab als der schweizweite Durchschnitt, der bei 3,9 liegt.
Dass es aber noch viel zu tun gibt, wird deutlich, wenn man die einzelnen Kategorien betrachtet, aus denen sich die Gesamtnote einer Gemeinde zusammensetzt. Vor allem im Bereich Sicherheit und Komfort ist der Handlungsbedarf nach wie vor sehr gross. Überdurchschnittlich oft wird der fehlende Überholabstand von E-Bike-Fahrenden kritisiert. Das deutet darauf hin, dass die Veloinfrastruktur vielerorts zu schmal ist, um Velofahrenden mit unterschiedlichen Tempi gerecht zu werden.
Zürich gibt die rote Laterne ab
Die Stadt Zürich verbessert sich deutlich: Die Gesamtnote steigt gegenüber 2021 von 3,3 auf 3,7 – ein Plus von 0,4 Punkten. Damit gibt die Stadt die rote Laterne unter den Schweizer Grossstädten ab und verbessert sich innerhalb ihrer Grössenkategorie vom sechsten auf den vierten Rang.
Trotzdem bleibt die Gesamtbewertung ungenügend: Vor allem bei Komfort und Sicherheit schneidet Zürich weiterhin schlecht ab. Kritisiert werden insbesondere gefährliche Kreuzungen, fehlende Velowege sowie Baustellenführungen. Die Kategorie Komfort erreicht mit 3,1 sogar den tiefsten Wert aller Kategorien.
Bei einzelnen Themen wie abgestimmten Ampeln, Schneeräumung oder Velowegen stellen die Befragten Fortschritte fest. Positiv entwickelt haben sich auch die Kategorien Abstellplätze und Stellenwert des Velos. Die Bemühungen der Stadt werden wahrgenommen und geschätzt: So schreibt eine Person im Freitextfeld der Umfrage: «Die Entwicklung geht absolut in die richtige Richtung in Zürich – ein grosses MERCI an alle Beteiligten.»
Winterthur bleibt Velohauptstadt
Winterthur bleibt die bestbewertete Grossstadt der Schweiz. Die Gesamtnote liegt 2025 bei 4,3 und damit zwar leicht unter dem Wert von 2021 (4,4), dennoch verteidigt Winterthur den ersten Platz unter den Schweizer Grossstädten. Besonders stark schneidet erneut das Wegnetz ab: Mit der Note 4,7 erreicht Winterthur hier schweizweit einen Spitzenwert. Auch die Kategorien Abstellplätze und Stellenwert des Velos werden recht gut bewertet.
Trotz der Spitzenposition zeigt die Umfrage auch Schwachstellen. Vor allem bei Sicherheit und Komfort sehen die Befragten weiterhin Verbesserungspotenzial. Kritisiert werden insbesondere zu geringe Überholabstände und die Schneeräumung, aber auch Konflikte mit E-Bike-Fahrenden. Auffällig ist zudem, dass sich fünf von sechs Kategorien gegenüber 2021 leicht verschlechtert haben.
Im Freitextfeld wünschen sich viele Teilnehmende deshalb weitere Investitionen in sichere Infrastruktur. Eine Person schreibt: «Bitte baut endlich überall komfortable und sichere Veloverbindungen – und hört auf mit Blablabla.»
Uster steigt wirklich um
Uster gehört weiterhin zu den velo-freundlichsten mittelgrossen Städten der Schweiz. Die Gesamtnote steigt gegenüber 2021 leicht von 4,0 auf 4,1. Damit belegt Uster erneut Rang 2 in seiner Grössenkategorie. Besonders gut bewertet werden die Kategorien Abstellplätze, Wegnetz und Stellenwert des Velos. Positiv hervor stechen zudem die Aussagen «Konfliktfrei mit Fussgänger*innen», «Geeignete Nebenachsen» sowie «Werbung fürs Velofahren».
Trotz der insgesamt guten Bewertung sehen die Befragten weiterhin Verbesserungspotenzial – insbesondere bei Komfort und Sicherheit. Kritisiert werden vor allem fehlende Überholabstände, gefährliche Kreuzungen und ungenügend abgestimmte Ampeln. Die schlechteste Einzelnote erhält der Überholabstand zwischen Velos und E-Bikes.
Positiv wahrgenommen werden dagegen die Investitionen der Stadt in die Veloinfrastruktur. Eine Person schreibt im Freitextfeld: «Uster macht wirklich viel für die Veloinfrastruktur (…) Uster steigt wirklich um!»
Wetzikon hat Nachholbedarf
Wetzikon erscheint zum ersten Mal auf der Rangliste und wird deshalb ohne Vorjahresvergleich bewertet. Insgesamt schneidet die Stadt mit einer ungenügenden Gesamtnote von 3,7 ab, was zu einer Platzierung in der unteren Hälfte der Rangliste der kleinen Städte und Gemeinden führt. Die beste Bewertung erhält in Wetzikon (ZH) die Kategorie Abstellplätze.
Gleichzeitig zeigt sich Handlungsbedarf. Vor allem die Kategorien Sicherheit und Komfort schneiden ungenügend ab. Das grösste Potenzial sehen die Befragten bei breiterer Veloinfrastruktur, damit Velofahrende genügend Abstand zueinander halten können. Auch scheint es in Wetzikon überdurchschnittlich viele gefährliche Stellen für Velofahrende zu geben.
Viele Teilnehmende äussern sich kritisch zur Verkehrspolitik. Eine Person schreibt: «Gelbe Farbe auf der Strasse ist eine Alibiübung. Es fehlt an Willen und Kreativität, auf den wirklich gefährlichen Strecken etwas zu ändern.»
Bülach ist keine Velostadt
Bülach erreicht beim Prix Velo 2025 die Gesamtnote 3,9 und liegt damit genau im Schweizer Durchschnitt. Gegenüber 2021 verbessert sich die Stadt leicht um 0,1 Punkte. Besonders gut bewertet wird die Kategorie Abstellplätze. Verbesserungen erkennen die Befragten im Bereich abgestimmte Ampeln, Schneeräumung und beim Belag.
Trotzdem bleibt die Gesamtbewertung knapp ungenügend. Vor allem die Kategorien Sicherheit und Stellenwert des Velos schneiden schwach ab. Kritisiert werden vor allem fehlende Überholabstände und gefährliche Kreuzungen. Am meisten Verbesserungspotenzial gibt es laut den Befragten bei Überholabständen, der Rücksichtnahme von E-Bike-Fahrenden sowie bei der Werbung fürs Velofahren.
Im Freitextfeld wünschen sich viele Teilnehmende mehr Engagement fürs Velo. Eine Person schreibt: «Die Stadt Bülach propagiert sich seit Jahren als Velostadt. Das sind aber leere Worte. Für Velofahrer wird viel zu wenig getan.»
Thalwil macht einen grossen Sprung
Thalwil verbessert sich beim Prix Velo 2025 deutlich: Die Gesamtnote steigt gegenüber 2021 von 3,6 auf 4,0 – ein Plus von 0,4 Punkten. Damit verbessert
sich die Gemeinde innerhalb ihrer Grössenkategorie vom 19. auf den 7. Rang. Besonders gut bewertet werden das Wegnetz, die Abstellplätze sowie der Stellenwert des Velos. Auffällig ist, dass sich fast alle Kategorien gegenüber 2021 verbessert haben.
Besonders stark fällt der Fortschritt beim Stellenwert des Velos aus. Trotzdem bleibt Handlungsbedarf bestehen: Die Kategorien Komfort und Sicherheit schneiden weiterhin am schwächsten ab. Kritisiert werden insbesondere Baustellenführungen, abgestimmte Ampeln und fehlende Überholabstände.
Die positiven Entwicklungen werden von vielen Teilnehmenden wahrgenommen. So heisst es im Freitextfeld der Umfrage: «Auf etlichen Strassen in Thalwil hat sich die Situation verbessert. Es hat aber immer noch viele Stellen, die für Velofahrende gefährlich sind.»
Mehr über den Prix Velo und welche Gemeinden in der Schweiz besonders gut abschneiden, erfährst du hier.











