
Pro Velo greift in Zürich zum Bagger

Frust über Stillstand: Pro Velo greift in Zürich selbst zum Bagger
Der Ausbau der Velovorzugsrouten stockt – jetzt greift Pro Velo Kanton Zürich selbst ein. Mit einem eigenen Bagger will der Verband dort Hand anlegen, wo Stadt und Kanton nicht vorankommen.
Weil es mit den Velovorzugsrouten in der Stadt Zürich nur im Schritttempo vorangeht, greift Pro Velo Kanton Zürich nun selber ein – und schafft Fakten. Mit einem Secondhand-Bagger des Typs Liebherr A918 Mobilbagger will die Velolobby den Infrastrukturausbau eigenhändig vorantreiben. Der vielseitige Radbagger überzeugt dabei mit hoher Präzision, beeindruckender Kraft und der Fähigkeit, auch in dichtem Stadtverkehr elegant zu manövrieren.
Denn obwohl die Stadt Zürich seit über fünf Jahren an der Umsetzung arbeitet, sind bislang erst knapp 5 Kilometer des geplanten Netzes von 130 Kilometern realisiert.
«Wir haben lange zugeschaut. Jetzt legen wir selber Hand an – beziehungsweise Schaufel», erklärt Geschäftsleiterin Yvonne Ehrensberger. «Denn wenn es in diesem Tempo weitergeht, erleben wir die Velovorzugsrouten erst am Sankt-Nimmerleins-Tag.»
Geduld am Ende – Bagger im Einsatz
Pro Velo versteht die Investition von 99 999 Franken für die Baumaschine als konstruktiven Beitrag zur Umsetzung der städtischen Velostrategie. Der Bagger soll dort zum Einsatz kommen, wo Projekte ins Stocken geraten sind – etwa beim Entfernen von Parkplätzen, dem Verschieben von Randsteinen oder dem grosszügigen Umgestalten von Strassenräumen zugunsten des Veloverkehrs. Nicht zuletzt am Neumühlequai, wo sich Stadt und Kanton derzeit gegenseitig im Weg stehen.
Gleichzeitig ist man sich der rechtlichen Grauzone bewusst: «Wir gehen davon aus, dass die Behörden nicht begeistert sein werden, wenn wir eigenständig Strassen umbauen», so Ehrensberger. Aber irgendwer müsse den Ämtern schliesslich zeigen, wie die Velowende funktioniere.
Dringend auf Spenden angewiesen
Der Kauf des Baggers hat ein beträchtliches Loch in die Vereinskasse gerissen. Zudem werden die zu erwartenden juristischen Auseinandersetzungen zusätzliche Kosten verursachen. Pro Velo Kanton Zürich ruft deshalb Mitglieder, Sympathisantinnen und Sympathisanten zur Unterstützung auf: «Wer möchte, dass es mit den Velovorzugsrouten endlich vorwärtsgeht, darf uns gerne finanziell unter die Arme greifen», so Ehrensberger. Spenden sind möglich unter IBAN CH20 0900 0000 8000 9400 4 oder via www.provelozuerich.ch/spenden
Mit dieser ungewöhnlichen Massnahme setzt Pro Velo Kanton Zürich ein Zeichen für mehr Tempo beim Veloinfrastrukturausbau – und zeigt, dass es manchmal schweres Gerät braucht, wo man mit geduldigem Papier nicht weiterkommt.











