Masterplan Töff

Masterplan Töff

Wer das Velofahren fördern will, sollte nicht nur Velowege bauen, sondern auch Abstellplätze.

Wer ans Velofahren denkt, denkt häufig in erster Linie an Velowege und -streifen. Aber VelofahrerInnen wollen nicht nur sicher unterwegs sein, sie wollen ihr Velo auch sicher abstellen können.

Blendet man auf dem Online-Stadtplan der Stadt Zürich den Layer «Velo» ein, sieht man hunderte, wenn nicht tausende Veloabstellanlagen über die Stadt verteilt. Aber das Bild täuscht, denn was die Stadt als Veloparkplätze ausgibt, sind nicht zwingend Veloabstellplätze sondern sehr häufig Zweiradparkplätze. Will heissen: auf diesen Abstellplätzen dürfen nicht nur Velos, sondern auch Roller und Motorräder parkiert werden. Und ein Töff braucht schnell einmal so viel Platz wie zwei Velos.

Keine Veloabstellplätze

Kommt hinzu, dass viele dieser so genannten Veloabstellplätze gar keine sind, denn ihnen fehlt ein grundlegendes Kriterium, um als Veloparkplatz zu gelten: Die Möglichkeit, ein Velo anzuschliessen und es so einigermassen sicher zu parkieren. Fehlen Bügel oder Pfosten, sollte man auf keinen Fall von einem Veloabstellplatz reden. Das zeigt auch ein Augenschein auf der Strasse. Sind keine Bügel vorhanden, werden in diesen Anlagen praktisch nur Motorräder und Roller parkiert.

Vier von fünf Veloparkplätzen sind keine

Nachdem in der Nähe des Pro-Velo-Geschäftssitzes einige Velobügel im Herbst 2019 abmontiert wurden, fragte Pro Velo nach, weshalb das geschehen sei. Es habe in der Gegend zu wenige Töffparkplätze, liess das zuständige Tiefbauamt verlauten und meinte ausserdem, dass es 80 Meter die Schaffhauserstrasse hoch unterhalb des Schaffhauserplatzes eine Veloabstellanlage habe, die kaum benutzt werde. Wer so argumentiert, hat von Veloverkehr absolut nichts begriffen. Man fragt sich auch: Gibt es einen geheimen Masterplan Töff? Und wird der, anders als der Masterplan Velo, auch tatsächlich umgesetzt? Ausserdem gibt es einen guten Grund, weshalb die erwähnten Veloparkplätze praktisch immer unbenutzt sind: Niemand will dort parkieren, weils dort nichts gibt, weshalb man dort parkieren müsste.

Katastrophale Bilanz

Pro Velo wollte es noch genauer wissen und hat den Abschnitt der Schaffhauserstrasse zwischen Schindlerstrasse und Schaffhauserplatz genauer unter die Lupe genommen. Gemäss oben erwähntem Stadtplan müssten auf diesem 230 Meter langen Abschnitt fünf Veloabstellanlagen zu finden sein, 3 talseitig, zwei auf der bergwärts gelegneen Strassenseite.
Was wir vorgefunden haben, ist ernüchternd: Von den fünf Zweiradparkplätzen ist nur gerade ein einziger mit Bügeln ausgerüstet und taugt demzufolge tatsächlich, um ein Velo dort abzuschliessen. Das ist der Veloabstellplatz, der nicht benutzt wird, weil an der Stelle niemand parkieren will. Die anderen vier sind praktisch ausschliesslich von Töffs und Rollern belegt.
Das ist zwar nur ein winzig kleine Stichprobe, aber es ist zu befürchten, dass die Situation auch anderorts in der Stadt ähnlich ist. Pro Velo bleibt auf jeden Fall dran.

Über den Autor

Dave Durner

Geschäftsführer bei Pro Velo Kanton Zürich

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