1000 Franken zu verdienen!

1000 Franken zu verdienen!

Velofahrende hielten sich kaum jemals an Verkehrsregeln, hört man immer wieder.

Aber stimmt das wirklich? Sind Velofahrende undisziplinierter als andere VerkehrsteilnehmerInnen? Wir haben nachgeforscht – und keinerlei Zahlenmaterial gefunden, dass diese oft gehörte  Aussage stützt.

Bei Rot über die Kreuzung, auf dem Trottoir illegal um die FussgängerInnen kurven, bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs: Velofahrende machen tatsächlich vieles, das gemäss Strassenverkehrsgesetz verboten ist. Und vieles, was sie tun, gefährdet nicht nur sie selber, sondern auch Unbeteiligte, insbesondere FussgängerInnen. Darüber, wie häufig solche Gesetzesverstösse von Velofahrenden begangen werden, weiss man jedoch kaum etwas.  Erst recht nicht, wie es im Verhältnis mit anderen VerkehrsteilnehmerInnen aussieht. Gibt es mehr Velofahrende, die bei Rot über die Kreuzung fahren als AutofahrerInnen, die auf dem Velostreifen parkieren?

Kommt es häufiger vor, dass Velos auf dem Trottoir unterwegs sind als dass ein Autofahrer abbiegt, ohne zu blinken? Sind mehr unbeleuchtete VelofahrerInnen in der Nacht unterwegs als Autofahrende, die sich nicht ans Tempolimit halten?
Viele Fragen, eine Antwort: Man weiss es nicht. Eine ausführliche Recherche ergab weder verlässliche Zählungen noch konkrete Hinweise und auch diverse angefragte Fachleute konnten keine Angaben zu Studien machen, die diese Frage beantworten.
Deshalb gibt es jetzt einen Preis von Pro Velo Kanton Zürich: Wer uns solide Daten liefert, die belegen, dass Velofahrende häufiger Regeln übertreten als andere VerkehrsteilnehmerInnen, kriegt 1000.– Franken. Bar auf die Hand.

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Dave Durner

Ehem. Geschäftsführer bei Pro Velo Kanton Zürich, heute Projektleiter Velosicherheit Stadt Zürich

6 Comments

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    Also ich fahre selber Velo und sehe jeden Tag in Zürich unzählige Missachtungen der Verkehrsregeln inkl. meinen, die ich versuche so gering wie möglich zu halten und wenn ich das haarsträubende Fahren der anderen sehe, würde ich sagen ich halte mich in Grenzen. Aber Zürich birgt mit Abstand die schlimmsten Verkehrsignoranten unter den Velofahrern im Vergleich zu anderen Städten, wo ich bisher war. Klar nerve icb mich auch mega über die schlechte oder gefährliche Infrastruktur, das ist hier auch eine Katastrophe, aber am meisten nerve ich mich hier über die anderen Velofahrer. Schwierig solidarisch zu denken!😆

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    • Dave Durner

      Stimmt schon, in Zürich sieht man leider sehr viele Velofahrende, die sich um nichts scheren. Aber eben auch viele Auto-, Töff- und Rollerfahrende kümmern sich keinen Deut um Regeln, oder nur sehr selektiv. Wäre schon mal schön, wenn das quantifiziert würde, dann wüsste man, ob die Velofahrenden tatsächlich so schlimm sind, wie oft behauptet wird.

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  2. Avatar

    Selbst fast ausschliesslich mit dem Velo unterwegs, beobachte auch ich viele (Rotlicht-) Verstösse von Velofahrern in Zürich. Neben der unverständlichen Ignoranz dieser Velofahrer sollte unbedingt auch die sehr schlechte Velo-Verkehrspolitik in Zürich beachtet werden. Wie oft stehe ich vor roten Ampeln, weit und breit kein anderes Fahrzeug im Kreuzungsbereich zu sehen. Ich kenne z. B. nur eine Bodenkontaktschwelle (in Kloten) , die einigermassen funktioniert. Eine „Grüne Welle“ für Velofahrer habe ich noch nie entdeckt. Auf-und Abfahrten von Velowegen auf bzw. über die Strasse haben durchweg zu hohen Bordsteine. Warum überhaupt Bordsteine an diesen Stellen? Da gibt es bestimmt ein Gesetz welches so einen Unsinn vorschreibt. Das es aber mit gesundem Menschverstand bessere Lösungen gibt zeigen Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam. Das Grundproblem ist das Denken der Verkehsplaner. Diese überlegen offensichtlich, wie kann ich den Veloverkehr in den KFZ Verkehr integrieren statt diesen gleichberechtigt zu behandeln. Wie man das auch anders sehe kann, zeigt Stadtplaner und Mobilitäsexperte Mikael Colville Andersen in einem Interview der Zeitschrift „aktiv Rad fahren“ 5/2020.
    Kurzum, viele Velofahrer fahren hier und da verkehrswidrig , ich bin mir aber sicher das, wenn es keine Kennzeichen und damit keine Nachverfolgung bei Autos/Motorrädern geben würde, dann würde es ein Vielfaches an Verkehrsübertretungen seitens der Autofahrer geben!

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  3. Avatar

    Gibt es keine Bussenstatistik, wieviele Bussen an welche Gruppe von Verkehrsteilnehmenden ausgestellt wurde z.B. in der Stadt Zürich auf Gemeinde und Kantonsstrassen? Velofahrende begehen andere Delikte als Autofahrende, Personen auf Töffs oder Leute, welche zu Fuss unterwegs sind!
    Die Zahlen, wieviel % jede Gruppe am Verkehrsaufkommen beiträgt, die gibt es. Zumindest wäre das eine erste Annäherung an die Thematik.

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    • Andrea Freiermuth

      Liebe Franzika
      Wir haben leider keine brauchbare Statistik dazu gefunden, weder beim Bund noch bei der Stadt. Das einzige was ausgewiesen wird ist der finanzielle Ertrag. Beim BFS gibt es noch einige sehr alte Zahlen (2012) zum Alkoholkonsum von Motorfahrzeuglenkenden und Geschwindigkeitsübertretungen.

      Wir nehmen an, es geht um den Vergleich der Delinquenz verschiedener Verkehrsträger? Dafür wäre diese Statistik aus verschiedenen Gründen wenig geeignet:

      1. Die Delikte sind nicht vergleichbar. Oder wie soll ein Autofahrer am Natel mit einem Velofahrer auf dem Trottoir verglichen werden?

      2. Die Delikte werden unterschiedlich intensiv beobachtet. Bei Velofahrenden gibt es auch technischen Gründen kaum automatische Kontrollen. Gleichzeitig ändert sich der Fokus der Polizei immer wieder, was inhaltlich sicher sinnvoll ist. So unterscheidet sich die Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Delikt gebüsst zu werden auch mit der Zeit, ohne dass sich die Anzahl begangener Delikte unbedingt verändert hat.

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  4. Avatar

    Ja, ich arbeite und wohne in Bordeaux, da ist es schon sehr oft dass man wilde Akrobatien sieht, selbst von Muettern/Vaetern mit progeniture auf dem Kindersitz. Aber selbts die Polizei haelt im Auto an der Ampel auf dem “Radplatz” und viele andere Verstoesse der Autofahrer, Ich denke man sollte sich an Regeln halten, um ernst genommen zu werden und nicht mehr diesen saudummen Satz hoeren zu muessen “c’est pour cela qu’on vous n’aime pas” (die Antwort, ” je vous ne deamnde pas de m’aimer, mais de me respecter”).

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