Fliegen ist am geilsten

Fliegen ist am geilsten

Samstagmorgen, halb zehn Uhr: Auf dem Freestyle-Park Zürich treffen sich acht Jungs zwischen 10 und 14 Jahren und ein etwas älterer Guide.

Die Begrüssung ist äusserst informell, schnell wird gecheckt, ob alle da sind, einer fehlt, egal, es muss losgehen, den Knaben juckt’s in den Beinen.

Beni, der Guide, fährt voraus, hier über ein Hindernis, da über eine Rampe springend, dort einen Trick einbauend. Die acht Jungs hinterher, immer bemüht, das, was Beni vorzeigt, möglichst gut nachzumachen. Noch zwei solcher Runden werden gefahren, nur heissen die natürlich nicht Runden sondern «Lines».
«Hat jemand von euch noch eine Line, die er fahren will?», fragt der Guide und erntet Kopfschütteln von der Bubenschar. «Ok, demfall mir nach». Nach einer weiteren Runde finden alle, sie seien aufgewärmt, man könne ans Eingemachte. Ans Eingemachte heisst, dass jeder seine Tricks übt, beobachtet von den Kumpels. Manchmal gibt’s Lob für einen guten Sprung oder Trick, manchmal gibt’s Tipps vom Guide, was man noch besser machen könne, nie wird nur kritisiert oder gar ausgelacht. Hier weiss jeder, dass man manchen Fehler macht und oft stürzt, bis ein Trick endlich klappt.

 Fünfmal befürchtet man das Schlimmste

Einer der Jungs versucht einen «360», also eine Rampe hoch, in die Luft springen und sich dabei mit dem Velo einmal um die Achse drehen bevor man auf der Plattform landet. Fünfmal probiert er es, fünfmal knallt das Velo – sorry, das Bike –  und der Junge auf den Asphalt, fünfmal befürchtet man das Schlimmste für den Jungen. Und fünfmal steht er wieder auf, packt sein Bike, steigt auf, fährt die Rampe wieder runter und versucht es noch einmal.

 Leider keine Mädchen

Dann ein Abstecher zu den «Bowls», topfartige Vertiefungen mit Hindernissen und Sprüngen. Beni flitzt darin herum, springt da über eine Kante, wirbelt dort über eine Bodenwelle. Seine Schüler (am Kurs nehmen keine Mädchen teil) versuchen es ebenfalls. Im Gegensatz zum Guide, der nur mit Pumpen beschleunigt, treten sie zwischendurch kräftig in die Pedalen. Den einen sieht man an, dass sie noch nicht lange BMX fahren, andere getrauen sich schon einiges und versuchen, ihre eigene, individuelle Line zu fahren. Nach den Bowls fährt die ganze Truppe rüber in den Bikepark, wo sie für eine halbe Stunde die Pumptracks unsicher machen.

An missglückte Landungen denkt keiner
Zurück im Freestyle-Park machen sie unermüdlich weiter, nur von kurzen Trinkpausen unterbrochen. Während einer solchen Pause frage ich die Jungs, was ihnen am BMX-Fahren besonders gefällt. Nach einigem ratlosen Schulterzucken meint einer von ihnen: «Wenn ein Trick gelingt, an dem ich hart geübt habe.» Ein anderer entgegnet: «Fliegen ist am geilsten». Worauf alle anderen nicken. Wenn die Landung glückt, möchte man entgegnen. Aber an missglückte Landungen denkt keiner der acht Jungs. Und das ist gut so.

Kurse für Kids und Jugendliche

Der besuchte Kurs wird von der Bikeschule Zürich angeboten. Weitere Angebote gibt es unter anderen von Züritrails, Swiss Bike School und dem Sportamt.

Über den Autor

Dave Durner

Geschäftsführer bei Pro Velo Kanton Zürich

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