Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung

Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung

Wissen Sie, dass man von Winterthur mit dem Velo zum Kap der Guten Hoffnung fahren kann?

Eine Fahrt zum Kap der Guten Hoffnung, das klingt vielversprechend und abenteuerlich. Und tatsächlich, die Fahrt von Winterthur ist schön, und erst noch an einem Abend zu machen.

Starten wir unsere Tour an einem lauen Sommerabend in jenem Stadtteil, von dem aus ich vor über zwanzig Jahren mit schwerem Herzen das erste Mal zum Kap der Guten Hoffnung aufgebrochen bin. Vom Bahnhof Töss aus fahren wir den Bahngeleisen entlang westwärts Richtung Bülach und überqueren die Geleise bei der Barriere Reutgasse.

Weiter geht es geradeaus bis zur Klosterstrasse. Hier folgen wir links der Veloland Schweiz Route 45. Zum Glück wissen wir, dass Winterthur viele schöne Seiten hat, denn das nun folgende Stück – Überquerung der Autobahn und Fahrt entlang der Autobahn – gehört definitiv nicht dazu.

 

Idyllische Fahrt durch das Tal bei Dättnau

Bei der Carosserie Steig lassen wir die Autobahn und die Route 45 links liegen und zweigen nach Dättnau ab. Bei der nächsten Kreuzung biegen wir in die Dättnauerstrasse ein, welche uns in ein liebliches Tal mit Wiesen, Wald und dem sanft darin eingebetteten Dättnauerweiher führt. Kaum zu glauben, dass wir nur wenige hundert Meter von der lärmigen, grauen Autobahn entfernt sind. Wir schauen hoch zum idyllischen Weiler Neuburg, bleiben aber unten auf dem Talboden.

Steiler Streckenabschnitt Richtung Sunnenbüel

Kurz danach kommen wir zur Abzweigung Brütten-Sonnenbühl. Hier beginnt der anstrengendste Teil der Route. Für Menschen mit Liebeskummer können solche schweisstreibende Streckenabschnitte heilsam sein… Doch schalten wir in einen kleinen Gang und steigen gemächlich die steile Strasse zum Sunnenbüel auf. Unterwegs wünschen wir beim Hof Äschau den Lamas, welche vergnügt auf der Weide herumspringen, einen schönen Abend. Danach folgt ein kurzes Stück Panoramastrasse mit Sicht auf Winterthurs Westen, das Zürcher Weinland und die Hügelzüge des Schwarzwaldes. Im Sunnenbüel folgen wir dem Wegweiser nach Oberembrach und erklimmen die letzten Höhenmeter.

Die Aussicht in der Abendstunde geniessen

Kurz vor dem Hof Wagenburg dürfen wir den Abzweig nicht verpassen: Ein asphaltiertes Strässchen führt rechter Hand hinauf zum Kap der Guten Hoffnung. Ein schmuckes Bänkli erwartet uns auf dem Dach des Reservoirs und lädt zum Verweilen ein. Spätestens jetzt wird uns vor Augen geführt, dass sich der Aufstieg gelohnt hat. Bei klarem Wetter ist die Aussicht fantastisch. Das ganze Alpenpanorama breitet sich vor uns aus. Auch ohne Sicht in die Alpen werden wir mit einer wohltuenden Weite belohnt. Ganz besonders in den Abendstunden lauer Sommernächte ist dies ein höchst romantischer Flecken – aber auch eine Stelle, an der eine schwere Trübsal weggeblasen wird…

Erfrischende Abfahrten

Nachdem wir die Aussicht ausreichend genossen, oder uns genügend den Träumen hingegeben haben, fahren wir zurück und biegen rechts in die „Hauptstrasse“ ein. Schon bald erfreuen wir uns einer rasanten Abfahrt ins Dürstental. Auch eine kühlende Abfahrt kann Balsam für die Seele sein… Unten angelangt zweigen wir rechts in die Strasse Richtung Pfungen ein. Es folgt eine herrliche Wald-Abfahrt ins Dorf Pfungen. Staunend stellen wir fest, wie viele Höhenmeter wir vom Aufstieg zugute haben. Nach dem Dorfeingang biegen wir scharf links ab Richtung Station Pfungen. Nicht zu schnell, denn vor dem Gemeindehaus zweigen wir rechts ab und fahren am Dorfkafi vorbei bis ans Ende dieser Strasse.

Nun geht’s links hinunter zu den Bahngeleisen. Hier sind wir auf der Veloland Schweiz Route 53. Dieser folgen wir Richtung Winterthur. Nach dem Berenbergwald erreichen wir Wülflingen und gelangen via Schlosstalstrasse – Nägelsee, immer der Route 53 nach, zum Fabrikgelände der Rieter. Somit sind wir schon fast am Ende unserer Runde angelangt. Beim Bahnübergang Reutgasse zeigt der Kilometerzähler 20 km an.

Das Aussichts-Bänkli am Kap der Guten Hoffnung

Ich bin Ihnen noch die Antwort schuldig auf die Frage, weshalb jene Stelle ob dem Sunnenbüel Kap der Guten Hoffnung heisst. Schweisstreibende Aufstiege, wohltuende Weite und luftige Abfahrten, das war vor über zwanzig Jahren genau das, was ich nach einer in die Brüche gegangenen Beziehung brauchte. Deshalb fuhr ich diese Route regelmässig.

Eines Abends war «mein» Aussichts-Bänkli bereits von einem jungen Velofahrer besetzt. Ich setzte mich zu ihm. Schnell entwickelte sich ein anregendes Gespräch. Als ich eine Woche später wieder zum Sunnenbüel aufstieg, war ich voller Hoffnung, diesen Velofahrer erneut anzutreffen. Und tatsächlich, er war wieder da. Auch er mit der grossen Hoffnung, mich wieder anzutreffen. Seit 19 Jahren sind wir glücklich verheiratet.

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