Eine Bewegung im Aufwind

Eine Bewegung im Aufwind

Der neunjährigen Lindsey ist die Freude anzusehen: Heute muss sie sich keine Sorgen darum machen, dass sie ein Autofahrer auf ihrem Velo übersehen könnte.

Für einmal fährt sie nämlich nicht allein: Knapp 150 Velos bilden an diesem Wintertag Lindseys Eskorte durch Zürich.

Denn heute ist Critical Mass.
Hinter dem Begriff steht die weltweit grösste Velo-Bewegung. 1992 entstand sie in San Francisco, ihren bisherigen Höhepunkt erreichte sie 2013 in Budapest: Rund 100’000 Velofans waren damals unterwegs. Unabhängig von der Anzahl Teilnehmenden und der Stadt, in der Velo gefahren wird, steht hinter Critical Mass stets ein Ziel: Es soll auf das Velo als Verkehrsmittel aufmerksam gemacht und gemeinsam der Raum eingenommen werden, der sonst dem motorisierten Verkehr vorbehalten ist. Wo die Critical Mass auftaucht, erfahren Autofahrende, was Velofahrenden täglich widerfährt: Sie werden marginalisiert und an den Rand gedrängt.

 Hupen als Sympathiebekundung

Das ist es auch, womit Lindsey jedes Mal kämpft, wenn sie auf ihr Velo steigt. Sie würde gerne zur Schule fahren, aber das sei nicht möglich: «Meine Lehrpersonen sagen, es sei zu gefährlich – und das stimmt. Manche Velowege hören einfach auf, wo es brenzlig wird. Das finde ich doof.» Es mache ihr auch Angst, wenn Autofahrer hupten, weil sie langsam sei. «Eigentlich bin ich ziemlich schnell, die Autos sind einfach noch schneller», analysiert die Schülerin.
Heute hupen manche Autos zwar auch, aber meistens als Sympathiebekundung für die bunte Truppe. Seit 2011 steht in Zürich der letzte Freitag jeden Monats im Zeichen der Bewegung, die sich als unpolitisch versteht. In den vergangenen Monaten ist die Gruppe spürbar gewachsen: Die nach wie vor ungenügende Velo-Infrastruktur in der Limmatstadt und die lauter werdenden Unmutsbekundungen gegenüber der Untätigkeit der Politik in Klimafragen verleihen der Bewegung Aufwind.

 

 Dem Velo gehört die Zukunft
Dem Velo als klimaneutralem und platzsparendem Verkehrsmittel gehört die Zukunft der stätischen Mobilität, darin sind sich die Teilnehmenden einig. Doch Aktivismus ist nicht die einzige Motivation, mitzufahren: Den Teilnehmenden macht es sichtlich Spass, mit Musik, ausgefallenen Velos, im Klingel-Konzert oder einfach plaudernd auf der Strasse unterwegs zu sein.

Bestimmt wieder dabei

So sieht es auch Lindsey: «Mir gefällts, gemeinsam Velo zu fahren und es ist wichtig, zu wissen, dass Autos unserem Planeten schaden. Ich weiss, dass sie die Erde erhitzen und alles verschmutzen». Deshalb werde sie auch beim nächsten Mal ganz bestimmt wieder dabei sein.

Die Critical Mass

Treffpunkt für die Critical Mass in Zürich: jeden letzten Freitag im Monat, 18:45 Bürkliplatz.

Bilder: Critical Mass Zürich.

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