Ein Abstecher an den Rhein

Ein Abstecher an den Rhein

Das Thurgauer Rheinufer ist für das Velofahren äusserst attraktiv.

Der äusserste Zipfel im Westen des Thurgaus geht in manchen Köpfen fast vergessen. Dabei bietet sich das Städtchen Diessenhofen mit seiner schmucken Altstadt und altehrwürdigen Holzbrücke als Sommerdestination bestens an.

Für Schlagzeilen sorgt das malerische Städtchen Diessenhofen eher selten und auch aus Vereinssicht gehört die südliche Flanke des Rheins nicht unbedingt zu den Gebieten, wo wir den Schwerpunkt setzen, auch wenn einige Mitglieder im tiefen Westen zu Hause sind. Doch die gemütliche Atmosphäre und der zügige Strom des tiefblauen Wassers ziehen uns immer wieder dorthin.

Ein geringes Verkehrsaufkommen, viele kleinere Landsträsschen und die Fahrt durch das Seebach- und Stammertal machen diese Strecke zu einer unseren Favoriten, welche wir Ihnen gerade im Frühsommer wärmstens empfehlen können.

Start der Velotour ab Frauenfeld

Als Ausgangspunkt dient der Bahnhof in Frauenfeld. Dieser ist natürlich mit der SBB, mit Thurbo und mit der FW Bahn aus allen Richtungen bestens erschlossen und auch für unsere Zürcher Leserschaft bequem zu erreichen. Da wir uns an den Wegweisern von Schweiz Mobil halten, ist es auch einfach aus der Stadt heraus zu finden. Wir meistern die mühsame Kreuzung der Rheinstrasse und folgen der Route 33 bis zur Laubgasse, wo wir nach rechts abbiegen und die Bahngleise überqueren. Am Ende der Laubgasse machen wir einen links-rechts Schwenker in die Auenstrasse hinein, fahren durch die Sportanlagen und lassen die Autobahn hinter uns.

Dann geht es nach links, vorbei an der Militärkaserne bis an die Thur und über die Rohrerbrücke, alles auf dem Radweg und schön flach. Die Thurauen lassen wir für heute sein, denn wir sind nun schon ein bisschen aufgewärmt und es warten ein paar Höhenmeter, wo wir unser Schwung nicht verlieren möchten.

Kulinarischer Zwischenhalt in der Kartause Ittingen

In Warth verlassen wir den Radweg und biegen nach links ab um unser erstes Etappenziel, die Kartause Ittingen, zu erreichen. Der altklösterliche Gutsbetrieb ist weit hinaus als kulturelles Zentrum bekannt und beherbergt das Kunstmuseum Thurgau, einen Hofladen mit Spezialitäten, Seminar- und Tagungsräume und natürlich ein velofreundliches Restaurant. Da weitere Höhenmeter folgen, kann man sich hier eine Verschnaufpause gönnen.

Fakten zur Tour

  • Länge: ca. 60 km
  • Höhendifferenz: geringe bis mittlere Steigungen, für ältere Kinder geeignet
  • Bahnhöfe: Frauenfeld, Diessenhofen, Stein am Rhein THURBO Linien mit Velo Selbstverlad

Tipps

Velofahrt am Hasensee

Beim Verlassen der Anlage bleiben die Wegweiser der Route 33 unsere treuen Begleiter. Nachdem wir in etwa der Höhenkurve folgen und das Thurtal zu unserem Linken in der Ferne ausbreitet, biegen wir nach rechts ab, wo wir zunächst etwa 50 Meter Höhendifferenz auf kurzem Weg überwinden müssen. Die Strasse ist verkehrsarm und führt durch den Wald und an einigen Höfen vorbei. Als wir oben ankommen ist aber das Strengste für heute bereits überwunden und die restliche Fahrt gestaltet sich von den Steigungen her als äusserst gemütlich.

Zuerst rollen wir hinunter nach Buch, ein typisches Bauerndorf, wo wir nach links abbiegen und in das Seebachtal hineinfahren. Zu unserer rechten befinden sich die drei alten Gletscherseen, am nächsten der Hasensee, der bei den Einheimischen als Buchemersee bekannt ist. Ein Grossteil des Gebietes unterliegt den Naturschutzregeln und schwimmen darf man im Hasensee nicht; die Nutzung des Wassers ist den Vögeln und dem Fischereiverein Andelfingen vorbehalten. Zum Schwimmen kommen wir noch, aber erst auf dem Rückweg.

 

Entlang von ehemaligen Gletschern

Auf dieser Seite des Seebachtals sucht man vergebens nach Baukranen und vieles scheint noch so, wie es zu alten Zeiten war. Der Weiler Uerschhausen mit seinen fünfzig Einwohnern sorgt nicht wirklich für viel Aufregung. Der Verkehr ist also minimal und die Ruhe ist fast meditativ. Wir umrunden den oberen Teil des Nussbommersees, dort wo vor langer Zeit die Pfahlbauer ihre Pflöcke schlugen, und fahren der Moräne entlang, welche die letzte Eiszeit hinterlassen hatte. Bevor der Gletscher damals verschwand, entleerte er sich in umgekehrter Richtung wie heute. Das Wasser floss nicht Richtung Thur sondern direkt in den Rhein, also in etwa in die Richtung, welche wir nun weiter verfolgen. Der Übergang über die Moräne ist nicht besonders anstrengend und gleich dahinter entfaltet sich das Stammertal und das Zentrum Stammheim ist nicht mehr weit.

Velofahrt durch das Zürcher Weinland

Einige Meter durch das flache Kulturland führen uns zu einer Abzweigung nach rechts und schon tauchen die ersten typischen Riegelhäuser des Zürcher Weinlands auf. Wer schon länger nicht mehr in Stammheim war, merkt wie viel der Ort in den letzten Jahren gewachsen ist. Doch entlang der Hauptstrasse ist der dörfliche Charakter geblieben und die Kulisse der schönen Wohnhäuser ist charmant wie eh und je. Ohne es zu bemerken wechselt man vom oberen zum unteren Dorfteil, welcher für Einheimische jeweils so weit entfernt ist wie Asien und Afrika, biegt nach rechts ab und gewinnt wieder ein wenig an Höhe, bevor es Ausgangs Unterstammheim gleich nach links wieder hinunter geht und die Bahnlinie unterquert wird. Hier haben wir nun die Route 33 zum ersten Mal verlassen und folgen nun den Wegweisern der Route 82 weiter.

Auf den Spuren des Bibers

Der Belag wechselt nun auf Kies, was aber höchstens für Rennradreifen problematisch sein könnte. Wir fahren um Drumlins herum, klassische Überreste der letzten Eiszeit. Die Moränenlandschaft fordert aber keinen Schweiss, den bald treten wir einem Bach entlang, wo die Spuren von hungrigen Biber an den Bäumen kaum zu übersehen sind und dessen Namen ohne erkennbaren Grund plötzlich wechselt. Hiess der Bach beim Antreffen noch Mülibach, so heisst er bei Schlattingen plötzlich Geisslibach, doch vielleicht ist das auch aufgrund der Kantonsgrenze, die wir nun wieder zum zweiten Mal passieren. Immer der 82 und dem Geisslibach entlang werden wir durch Basadingen und nach Willisdorf geführt, wo wir die Kantonsstrasse unterqueren, die hier aber eher einer Autobahn ähnelt. Wer den Lärm aushält kann kurz vor der Brücke anhalten und den Bach überqueren. Beim Weiher ist ein Steingarten aufgestellt mit angeschriebenen Findlingen, welche beim Bau der Strasse ausgegraben wurden.

Zu Gast in Diessenhofen

Sogleich folgt Diessenhofen, unser Etappenziel für den heutigen Ausflug. Gemäss Wikipedia reicht die Siedlung bis zum Jahr 757 zurück, als sie noch Deozincova hiess. Später wurde aus den Höfen eine richtige Stadt und hiess ab 1260, als die Stadtrechte verliehen wurden, bereits Diessenhovin. Obschon auf Thurgauer Boden, orientiert sich die Stadt eher an Schaffhausen, das wenige Kilometer rheinabwärts liegt. Zur Zeit der Helvetischen Republik Ende des 18. Jahrhunderts gehörte es sogar zum Kanton Schaffhausen, allerdings währte diese Ehe nur gerade zwei Jahre lang.

Diessenhofen: malerische Altstadt und die Rheinbrücke

Nebst der malerischen Altstadt mit seinem markanten Bogentor ist besonders auch die Rheinbrücke sehenswert, die einen schönen Ausblick auf den Rhein garantiert und die Grenze zum grossen Kanton markiert. Ohne die Brücke wäre aus Diessenhofen wahrscheinlich nie eine wohlhabende Stadt geworden, denn die Wegverbindung sicherte Zolleinnahmen und damit Reichtum. Die erste Brücke stammte aus dem Jahr 1292 und hielt über 370 Jahre lang stand, bis eine neue errichtet werden musste. Diese wiederum fiel 1799 dem Rückzug der Russen zum Opfer und wurde 1816 ersetzt und zum ersten Mal überdacht. Im Wesentlichen besteht die heutige Konstruktion aus denselben Bestandteilen wie damals und nähert sich nun seinem 200 jährigen Bestehen.

Pause mit Gelati in Stein am Rhein

Damit aus der Tour eine Umrundung wird fahren wir nun nicht so zurück, wie wir gekommen sind sondern lassen uns vom häufigen Westwind unterstützen und folgen dem Seeradweg an Rheinklingen vorbei und nach Stein am Rhein. Wer vom hohen Veloverkehrsaufkommen auf dem Seeradweg normalerweise abgeschreckt wird, wird hier eine schöne Überraschung erleben, denn der Tourismus macht normalerweise bei Stein eine Kehrtwende und der Rest verteilt sich auf beiden Rheinufer. In Stein kommen wir nicht vorbei, ohne bei der Schifflände einen Glace zu geniessen und uns für die Rückfahrt zu stärken.

Die letzte Etappe der Velotour

Vom Bahnhof aus finden wir wieder die Route 33 nach Etzwilen, von wo aus wir dem Bahntrassee entlang und um den Stammerberg fahren. Auf der anderen Seite der Gleise befindet sich das Etzwilerried und wir zücken unseren Feldstecher hervor, um zu schauen, ob sich ein seltener Vogel sichten lässt. Danach folgen wir den Wegweisern bis Stammheim und durchqueren das Dorf so, wie wir hingefahren sind. Doch anstatt ausgangs Stammheim wieder nach rechts abzubiegen nehmen wir die schnelle Route und fahren der Route 82 entlang weiter nach Nussbaumen.

Abkühlung im Hüttwilersee

Nach Nussbaumen verlassen wir die Route 82 und fahren der Hauptstrasse entlang bis nach Hüttwilen weiter. Der Radweg erlaubt uns, den Blick nach rechts zu halten, wo wir die Aussicht auf den Hüttwilersee geniessen. Am Ende des Sees, bei der Busstation Stutheien, führt eine Strasse zur Badestelle hinunter, die nebst eine Abkühlung an heissen Tagen auch einen Kiosk bietet. Uns ist aber heute zu kühl für’s Baden also bleiben wir auf dem Radweg, der durch Hüttwilen für kurze Zeit unterbrochen wird, und folgen ihm, mehr oder weniger immer an Höhe verlierend, bis wir wieder zur Thur vorstossen und schon bald in Frauenfeld eintreffen.

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