Auf und ab am Zimmerberg

Auf und ab am Zimmerberg

Der Zimmerberg ist nicht weit von der Stadt und doch weit weg vom Trubel.

Viele Wege führen von Richterswil nach Zürich. Wir haben einen der beschwerlicheren, aber sicher auch schöneren, gewählt.

Wer in der Region Zimmerberg auf eine Velotour geht, muss sich– nomen est omen – auf Steigungen gefasst machen. Wer die nicht scheut, wird mit wunderschönen Landschaften, beinahe autofreien Landstrassen und weiten Blicken belohnt. Die erste und gleich auch happigste Steigung erwartet uns kurz nach dem Start: Zum Einrollen bleiben nur wenige hundert Meter durch das Zentrum von Richterswil, dann sind wir schon in einer knackigen Steigung, die uns auf kurvigen Strassen durch Neubauquartiere hinauf zum Chalchbüel und zur Autobahn bringt. Etwas östlich gäbe es zwar noch einen deutlich idyllischeren Weg durch das Mülibachtobel, aber dieser Weg ist ohne Mountainbike kaum befahrbar, wäre in umgekehrter Richtung aber sicher eine schöne Abfahrstrecke für all diejenigen, die’s gerne mal etwas ruppig mögen. Am Sternenweiher ist Richterswil und mit ihm die Zürcher Agglomeration bereits weit hinter uns.

Men Who Stare at Goats

Nach einer weiteren Steigung erreichen wir wenige Minuten später bereits den Richterswiler Ortsteil Samstagern, rund 250 Meter über dem Zürichsee. Hier queren wir die Veloland-Route 32, der wir erst vierzig Kilometer später erneut begegnen werden. Weiter gehts, vorbei am Hüttnerseeli, in dem es sich im Sommer bestimmt trefflich baden und schwimmen lässt. Jetzt, anfangs Oktober, ist es dafür jedoch bereits deutlich zu frisch. Autos begegnen uns kaum, auch andere VelofahrerInnen sind nur selten zu sehen, wir haben die Strasse also für uns und geniessen das in vollen Zügen auf dem Weg nach Hütten. Von Hütten gehts im Schuss runter an die Sihl, dann auf einer menschenleeren Forststrasse dem Fluss entlang bis zur Brücke und zur Strasse hinauf nach Finstersee. Hier wartet der nächste Aufstieg, zuerst auf einer Hauptstrasse, die zwar nicht sehr stark befahren ist, dafür fahren die wenigen Autos umso schneller vorbei. Aber weit folgen wir der Strasse nicht, schon nach wenigen hundert Metern biegen wir links ab. Kurz unterhalb eines Bauernhofs halten wir neben einem Ziegengehege an und werden an den Film «Men who stare at Goats» erinnert. Die Ziegen starren uns nämlich an, bis wir den Blick abwenden und stattdessen die Aussicht übers Sihltal bewundern. Wenigstens fällt niemand tot um, auch keine der Geissen, wie das im Film geschieht.

 

Beeindruckende Glaziallandschaft

Die knapp zwei Kilometer von Finstersee bis nach Menzigen sind der absolute Hammer. Linden stehen auf Hügeln, die schmale Strasse schlängelt sich zwischen Wiesen, Wäldchen und Sümpfen dahin, dazwischen grasen Kühe und einmal mehr ist niemand unterwegs, bis auf einen einsamen «Gümmeler», der den goldenen Herbsttag für eine Trainingsfahrt nutzt. Kein Wunder, ist die Glaziallandschaft rund um Menzingen ins Bundesinventar der schützenswerten Landschaften aufgenommen worden. Viel zu schnell erreichen wir wieder die Hauptstrasse und auf ihr in wenigen Minuten den Dorfkern von Menzingen. Das prägnante Kloster haben wir dabei permanent im Blick, bis wir zwischen die Häuser eintauchen.
Der kurze Abstecher zum Kloster lohnt sich auf jeden Fall, eine bessere Aussicht auf die Moränenlandschaft auf der einen, das Zugerland und die Alpen auf der anderen Seite wird man so schnell nicht wieder kriegen.

Nach Zürich rollen

Auf mehrheitlich wenig befahrenen Strassen und durch coupiertes Gelände fahren wir weiter über Neuheim nach Sihlbrugg, wo wir auf die Velolandroute 94 «L’Areuse-Emme-Sihl» treffen. Dieser folgen wir bis nach Zürich, weshalb wir fortan auf alle Navigationshilfen verzichten und uns dafür umso mehr auf das Velofahren konzentrieren können. Das wiederum macht nun noch mehr Spass, weil wir der Sihl folgen und die Fahrt deshalb praktisch immer leicht bergab geht. Rund zwanzig Kilometer später erreichen wir die Allmend Brunau in Zürich und treffen wieder auf die Velolandroute 32, die wir in Samstagern gequert haben. Und dann sind wir auch schon wieder definitiv zurück in der Stadt, die Fahrt wird durch Ampeln und Stoppsignale unterbrochen, der Platz ist begrenzt, die Stimmung auf der Strasse hektisch und wir sehnen uns zurück nach der Ruhe auf dem Horgenberg, die Stille im Twärfallen und die Einsamkeit an der Sihl.

Fakten zur Tour

  • Länge: 46 km, davon ca. 7 km Naturstrasse
  • Aufstieg: 618 m
  • Verpflegung: Läden und Restaurants gibt es in allen Dörfern entlang der Strecke, im Sommer auch Besenbeizen. Schöne Picknickstellen hat es ebenfalls in Hülle und Fülle, vor allem an der Sihl.
  • Attraktionen: Hüttner See, Kloster Gubel, Naturzentrum Sihlwald

About The Author

Dave Durner

Ehem. Geschäftsführer bei Pro Velo Kanton Zürich, heute Projektleiter Velosicherheit Stadt Zürich

2 Comments

  1. Avatar

    Ich glaube, der Absatz mit der Burgruine Freienstein kommt aus einem anderen Artikel; ist die doch ganz woanders.

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