Lange Gesichter an der Langstrasse

Seit 33 Jahren verspricht die Stadt eine velofreundliche Lösung für die Langstrasse im Kreis 4. 2003 reichte Pro Velo dazu eine Petition ein, ausserdem wurde im Gemeinderat eine Motion mit demselben Ziel überwiesen. Die Pläne für die velofreundliche Langstrasse sind erarbeitet, die Rekurse abgewiesen und trotzdem passiert seit Jahren immer noch nichts.
Doch, etwas passiert: In regelmässigen Abständen führt die Polizei Bussenaktionen durch. Für mehr reicht’s offenbar nicht.

Die ganze Langstrassenhistory
Im Laufe der Zeit hat sich im Archiv der Pro Velo Kanton Zürich so Einiges angesammelt zum Thema Langstrasse. Eine Zusammenfassung.

1983: Abstimmung um die Verlängerung der Kanonengasse.
Pro-Argument des Stadtrates sowie der bürgerlichen Parteien: «Eine Entlastung der Langstrasse vom Individualverkehr, Vorteile für den Fussverkerkehr und die Schaffung ruhiger Wohngebiete werden möglich». Die Vorlage wird knapp angenommen.

1984: Annahme der Volksinitiative zur Förderung des Veloverkehrs.

1989: Die Pläne für den Umbau der Langstrasse werden aufgelegt. Die Pro Velo erhebt Einsprache, weil kein einziges Versprechen aus dem Jahre 1983 eingelöst wird. Im Gegenteil, die Fahrbahn wird schmaler und der Platz für Velos knapper. Fünf Jahre lang passiert nichts.

1994: Das Bauprojekt wird veröffentlicht. Um Verzögerungen durch Rekurse zu umgehen, verzichtet der Stadtrat auf eine Ausschreibung eines neuen Verkehrsregimes. Dagegen wehrt sich die Pro Velo Zürich. Auszug aus einem Brief an Stadträtin Kathrin Martelli: «… der heutige Zustand muss als sehr unbefriedigend bezeichnet werden.»

1996: Die Bauarbeiten werden abgeschlossen. Die Langstrasse ist für den Veloverkehr nicht mehr durchgehend passierbar: VelofahrerInnen welche vom Kreis 5 Richtung Helvetiaplatz wollen, werden entweder auf gefährliche und weite Umwege gezwungen oder müssen illegal durch die Langstrasse fahren.

1998: Der Gemeinderat verabschiedet den regionalen Richtplan. Die Langstrasse soll autoarm werden. Für den Durchgangsverkehr sind die Kanonengasse und die Feldstrasse vorgesehen.

1999: Serie von Workshops im Quartier. Die Teilnahme der Pro Velo Zürich ist gemäss dem Leiter, einem alt-Gemeinderat, «unerwünscht».

1999: An der Velodemo fordert die Pro Velo Kanton Zürich die Umsetzung des Richtplanes.

2003: Die Pro Velo Kanton Zürich lanciert eine Petition und bringt die alte Forderung nach einer velofreundlichen Langstrasse wieder auf den Tisch. 12’000 Velofahrende unterschreiben.
Gleichzeitig wird im Gemeinderat eine Motion mit demselben Ziel überwiesen. Die Stadt muss also etwas machen.

2003 bis heute: Ein Plan wird ausgearbeitet. Er sieht vor, dass die Langstrasse während des Tages für den motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt wird und je eine Spur pro Richtung für Bus, Taxi, Velo und Anlieferung befahrbar ist.
Umgesetzt wird der rechtsgültige Plan bis 2016 nicht, weil die Umfahrungsrouten noch nicht fertig sind.

3 Kommentare

  1. Schon mal überlegt, wo die grosse Mehrheit des Verkehrs hin soll, wenn nur noch Velos auf der Langstrasse fahren dürfen?! Ist ja weit und breit die einzige Durchgangsstrasse unter den Zug-Schienen durch…

    1. Jawohl, schon mal überlegt: Durch die Kanonengasse und die Feldstrasse. So sehen es die rechtsgültigen Pläne vor.

  2. Im zuge der Langstrassenaufwertung wundert es schon dass man nie etwas gemacht hat. Ich kann es mir nur so erklären das man etwas verruchtes beibehalten wollte damit das gebiet nicht vollends zum hippen trendquartier wird und dann wieder investiert wird bis sich langjährige anwohner keine schäbige Wohnung mehr leisten können 😉

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